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05.08.2014 Von: HB

Die einen reden drüber, die anderen tun es.

Unternehmen erproben Generationen-Werkstatt


Generationenwerkstatt Lothar Röwer

Fotoquelle: Ursachenstiftung

 

Vier Unternehmen aus Osnabrück und dem Emsland erproben GenerationenWerkstatt

600 freie Ausbildungsplätze meldete die Kreishandwerkerschaft Osnabrück anlässlich der Ausbildungsplatzmesse im Juli. Bundesweit sogar 15 000 unbesetzte Lehrstellen zählt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Warum wollen so wenige Jugendliche ins Handwerk, fragt sich so mancher besorgt?

Viele glauben, dass das Handwerk ein Image-Problem hat. Deshalb hat der Deutsche Handwerkskammertag auch beschlossen, die Kampagne „Handwerk bringt dich überall hin“ ab September mit weiteren 50 Millionen Euro in die zweite Runde zu schicken. Mit viel Präsenz in TV, Internet, Kino und auf riesigen Plakatwänden stieg die Wahrnehmung des Handwerks seit Einführung der Kampagne in den letzten fünf Jahren um 18 Prozent, so das Meinungsforschungsinstitut Forsa. Doch aktuelle Umfragen zeigen, dass das Image des Handwerkers gar nicht so schlecht ist. 38 Prozent der Deutschen zählen sie zu den fünf Berufen, die sie am meisten schätzen. Er wird sogar höher bewertet, als ein Hochschulprofessor oder ein Ingenieur, berichtet die aktuelle Allensbacher-Berufsprestige-Skala. Also doch kein Image-Problem?

 

Jugendlichen fehlt Zugang zum Handwerk

Johannes Rahe von der Ursachenstiftung glaubt, dass es andere Gründe gibt und hat deshalb die GenerationenWerkstatt auf den Weg gebracht. „Früher zogen die Kinder auf ihrem Schulweg an verschiedenen Werkstätten vorbei, sahen den Tischler Holz verarbeiten, den Schuster Schuhe reparieren, den Elektroinstallateur Schrauben sortieren. Auch in den Familien ging es noch praktischer zu. Elektrogeräte, kaputte Möbel, Fahrräder und Kleider wurden repariert. Heute werden Gegenstände oft ersetzt. Kindern und Jugendlichen fehlt deshalb der Zugang zum Handwerk“, erklärt er. Dabei bezieht er sich auf den Göttinger Hirnforscher Prof. Gerald Hüther, mit dem das Projekt entstanden ist. „Die einen reden drüber, die anderen tun es“, beschreibt Rahe sein Credo, selbst ehemaliger Unternehmer. Er ist Initiator, und Vorstand der Osnabrücker Ursachenstiftung, die das Projekt koordiniert.

 

Vier Unternehmen führen GenerationenWerkstatt ein

Durch Unterstützung der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim und den Kreishandwerkerschaften Osnabrück und Aschendorf-Hümmling konnten seit Oktober letzten Jahres  vier Unternehmen gewonnen werden. In Kooperation mit nahe gelegenen Schulen erprobten sie die GenerationenWerkstatt: Amelingmeyer Metallbau mit der Realschule Eversburg, Elektrofirma Röwer mit der Integrierten Gesamtschule (IGS) Osnabrück, Elektrosteuerungsfirma EST mit der Wallenhorster Alexanderschule und Baufirma Terfehr mit der Ludgerusschule im Emsland. 21 Jungen und ein Mädchen im Alter zwischen 11 und 15 Jahren kamen mehrere Monate einmal wöchentlich in die Werkstätten. Sie erlernten das Schmiedehandwerk, mauerten eine Bungalowecke und bauten einen Stromkreislauf. Bei Firma Röwer bauten die IGS-Schüler aus der 7. und 8. Klasse sogar ihre eigene neue Schule mit. Schulleiter Stefan Knoll sah das als großen Gewinn, das Elektrohandwerk über den gesamten Bauprozess zu begleiten. Unterstützt werden die Schüler dabei idealerweise von einem sogenannten Un-Ruheständler, so Rahe. Der hat nicht nur viel Erfahrung, sondern auch Zeit. So wie Gerhard Bruns, der bis vor zwei Jahren bei Terfehr in Rhede (Ems) tätig war und nun die Jungs von der GenerationenWerkstatt betreute.

 

Jungs finden Praxis viel interessanter als Schule

Krystian, Luca und Jannis von der IGS fanden die Arbeit auf der Baustelle viel interessanter, als Schule und haben den verpassten Schulstoff in Eigenregie nachgeholt. „Wir müssen die Schüler begeistern“, so Rahe, und das gelingt am besten bevor sie in die unruhige Phase der Pubertät eintreten, in der sonst die Berufsorientierung stattfindet. Das dieses Alter nicht immer einfach ist, konnten auch EST-Chef und Vizepräsident der Handwerkskammer Jürgen Wosnjuk und seine Tochter Tanja feststellen. „Die Jungs waren am Anfang noch unruhig, ständig mit ihren Handys beschäftigt oder am Herumblödeln. Wenn es aber in die Werkstatt ging und praktisch gearbeitet wurde, lief alles rund“, sind sich die beiden einig.

 

Eine gute Investition in die Zukunft

Alle beteiligten Unternehmen wollen grundsätzlich weitermachen. „Es macht einfach Spaß, seine Erfahrungen weiterzugeben“, so Wosnjuk und „Es ist eine gute Investition in die Zukunft“, betont auch  Georg Röwer. Auch Hermann Schmitz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aschendorf-Hümmling ist begeistert. „Wir haben hier in der Region 100 offene Ausbildungsstellen. Die GenerationenWerkstatt Terfehr hat gezeigt, dass wir junge Menschen so auf handwerkliche Berufe aufmerksam machen können.“ Die Ursachenstiftung will im nächsten Jahr ein Handbuch zur GenerationenWerkstatt herausgeben. „Neue Unternehmen und Schulen sollen von den bereits gemachten Erfahrungen profitieren und schnell Antworten finden“, erklärt Rahe.

 

„Bei Terfehr in Rhede (Ems) haben alle drei Absolventen der GenerationenWerkstatt ihren Ausbildungsplatz sicher“, so Geschäftsführer Gerrit Terfehr. Und das Unternehmen hat eine Sorge weniger. Denn auch der Betrieb hatte während der drei Monate Gelegenheit zu prüfen, ob die Jungs geeignete Auszubildende sein könnten.

 

Interessierte Unternehmen können sich melden unter info(a)ursachenstiftung.de.

 

www.generationenwerkstatt.org

www.facebook.com/generationenwerkstatt